Umfrage zur Notbevorratung

Im Normalfall gehen wir hier in der Region davon aus, dass uns Wasser, Strom, Internet, Mobilfunk und Lebensmittel jederzeit zur Verfügung stehen. Was es bedeutet, wenn tagelang kein Wasser aus der Leitung kommt, mussten die Menschen im Littfetal bei Kreuztal kürzlich am eigenen Leib erfahren. Wie sind die Bürgerinnen und Bürger in Siegen eigentlich auf Situationen wie Stromausfälle, Extremwetterlagen u. ä. vorbereitet und welche Erfahrungen haben sie bisher mit solchen Ereignissen gemacht? Wie kann man sie zukünftig noch besser unterstützen? Diesen Fragen geht ein Forscherteam der Uni Siegen derzeit nach. Die Studie ist Teil der Arbeit der interdisziplinären Nachwuchsforschergruppe „KontiKat“ an der Fakultät III (Wirtschaftswissenschaften, Wirtschaftsinformatik und Wirtschaftsrecht) der Universität.

Wie viele Tage kommen die Siegenerinnen und Siegener aktuell im Notfall mit ihren privaten Lebensmittelvorräten aus? Sind private Haushalte mit batteriebetriebenen Radios, aufgeladenen powerbanks, Kerzen, Medikamenten usw. ausgestattet? Und bei wem und über welche Wege holen sich die Menschen in Krisensituationen Informationen und Hilfe? Solche und ähnliche Fragen möchten die WissenschaftlerInnen im Rahmen der aktuellen Umfrage klären. Es geht dabei nicht um die Verunsicherung der Bevölkerung, sondern darum, Erfahrungen der Einwohner Siegens zu sammeln und auf dieser Basis gemeinsam zu überlegen, wie man die Bevölkerung mit Informationen und verschiedenen Angeboten unterstützen könnte.

Die Teilnahme ist freiwillig und sollte nur von Personen über 18 Jahren erfolgen.

Die Umfrage zur Notbevorratung wird in Kooperation mit der Stadt Siegen durchgeführt. In einem Grußwort appelliert Bürgermeister Steffen Mues an die Siegenerinnen und Siegener, den Fragebogen auszufüllen: „Die Ergebnisse können dazu beitragen, sich gemeinsam besser auf Krisensituationen vorzubereiten und sich im Schadensfall wechselseitig zu unterstützen. Sie helfen daher nicht nur den Forschern, sondern in weiterer Konsequenz auch sich selbst.“

 

Postalisch angeschrieben werden Haushalte im Stadtgebiet Siegen, die zuvor nach einem statistischen Zufallsprinzip ausgewählt wurden. Darüber hinaus können alle Einwohner von Siegen aber auch die digitale Version des Fragebogens online ausfüllen: https://statistik.schule/umfragen/notbevorratung

Sämtliche Angaben im Rahmen der Umfrage werden streng vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Am Ende der Umfrage wird unter allen TeilnehmerInnen ein Notvorratspaket verlost.

Hintergrund:
Das Projekt „KontiKat“ (Zivilgesellschaftliche und betriebliche Kontinuität durch soziotechnische Vernetzung in Katastrophenlagen) an der Universität Siegen ist im Sommer 2017 angelaufen und insgesamt auf vier Jahre angelegt. Im Zentrum des Forschungsinteresses der Nachwuchsforschergruppe steht die Frage, wie alltägliche Praktiken, Routinen und Infrastrukturen in Krisensituationen aufrechterhalten werden können bzw. wie man die Bewältigung von Krisen sinnvoll unterstützen könnte. Es wird im Rahmen des Programms „Zivile Sicherheit – Nachwuchsförderung durch interdisziplinären Kompetenzaufbau“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit rund 2,77 Millionen Euro gefördert. Assoziierte Partner sind unter anderem das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), die IHK Siegen, Katastrophenschutzbehörden in Siegen und Frankfurt und verschiedene Unternehmen. Weitere Informationen zu dem Projekt gibt es im Internet, unter www.kontikat.de.

Kontakt:
Dr. Marén Schorch (Projektleiterin) und
Dr. Christian Soost (Lehrstuhl für Statistik)
E-Mail: maren.schorch@uni-siegen.dechristian.soost@uni-siegen.de
Tel.: 0271-740 2424

 

Pressespiegel:

 

Praxis-Kooperationspartner gesucht!

Zivilgesellschaftliche und betriebliche Kontinuität durch sozio-technische Vernetzung in Katastrophenlagen
BMBF Nachwuchsforschergruppe, Universität Siegen (2017-2021)

Extremereignisse wie Brände, Starkregen, Stromausfälle usw. können die betrieblichen Prozesse von Unternehmen mitunter in einem erheblichen Ausmaß unterbrechen oder gar zeitweise zum Erliegen bringen. Oft gehen mit diesen Ereignissen Störungen in der (Verkehrs-)Infrastruktur, aber auch Schäden an und in Lagerhallen, Produktionsbereichen bzw. allgemein Gebäuden der Unternehmen einher. Aufgrund der zunehmenden Digitalisierung und der steigenden Abhängigkeit von IT und Kommunikations-Infrastrukturen kann sich der Effekt derartiger Störungen exponentiell verstärken. Lokale Beispiele sind der Brand in der Siegener Telekom-Zentrale 2013, wobei die Kommunikationsinfrastruktur der Stadt großflächig ausgefallen war, oder der Brand unter der Stadtautobahn HTS (Oktober 2017), welche erst 6 Wochen später wieder vollständig zur Benutzung freigegeben werden konnte.

Ziel unserer Nachwuchsforschergruppe ist einerseits 1) die Identifizierung und Analyse von bisherigen oder möglichen Störfällen in kleinen und mittelständischen Unternehmen der Region Siegen und andererseits 2) die gemeinsame Analyse der damit verbundenen Krisenbewältigung und Vorsorge (auch: Notbevorratung) der Unternehmen. Auf der Grundlage der Erkenntnisse werden praxisnah, gemeinsam mit den Unternehmen – bei Bedarf – Notfallpläne erarbeitet oder bestehende verbessert, Unterstützung bei der Informationsgewinnung über Störungen (analog und über soziale Medien) bereitgestellt und auch leichtgewichtige Softwareanwendungen entwickelt, um die Aufrechterhaltung von einem kontinuierlichen Betriebsablauf durch angepasste Softwareanwendungen zu unterstützen. Unternehmen haben hierdurch die Möglichkeit, individuelle Konzepte für mögliche Störfälle mitzugestalten, um ihr Unternehmen auf zukünftige Krisenlagen angemessen vorzubereiten oder/und die eigene Resilienz zu stärken.

Wir suchen aktuell lokale Unternehmen mit bis zu ca. 300 Mitarbeitern, die mit uns kooperieren. Wir bieten praxisnahe, sozio-technische Expertise und Lösungen und würden uns freuen, mit IHNEN ins Gespräch zu kommen!

Ansprechpartnerin: Frau Dr. Marén Schorch

Kontakt E-Mail: maren.schorch@uni-siegen.de

Kontakt Tel.: +49 (0) 271/ 740 – 2424

Informationen: www.kontikat.de

Förderung: Programm „Zivile Sicherheit – Nachwuchsförderung durch interdisziplinären Kompetenzaufbau“ vom BMBF (2017-2021)

                                 

Projektumriss

Motivation

Krisen und Schadensereignisse können das gesellschaftliche Leben und wirtschaftliche Prozesse erheblich beinträchtigen. Dabei muss es sich nicht um Katastrophen handeln, auch der regionale Ausfall von Telekommunikationsanlagen über Stunden oder Tage kann z. B. weitreichende Folgen haben. Konzepte zur Vernetzung der Akteure können eine Notfallkommunikation unterstützen und dazu beitragen, die Krise besser zu bewältigen und schneller zum normalen Leben zurückzufinden.

Ziele und Vorgehen

Im Fokus des Projekts KontiKat steht die Aufrechterhaltung und Wiederherstellung des gesellschaftlichen Lebens nach größeren Schadensereignissen und Katastrophen. Im Rahmen eines interdisziplinären Forschungsansatzes werden Möglichkeiten untersucht, wie eine zivilgesellschaftliche und betriebliche Kontinuität in Krisen gewährleistet werden kann. Hierzu sollen empirische Studien zur Erfassung der sozialen Vernetzung der Bevölkerung sowie von kleinen und mittleren Unternehmen durchgeführt werden. Die Schwerpunkte liegen auf der Nutzung sozialer Medien sowie innovativen Ansätzen für ein kooperationsbasiertes Risiko- und Notfallmanagement. Dabei werden auch technologische Lösungen als Werkzeuge für Behörden mit Sicherheitsaufgaben und Unternehmen erarbeitet.

Innovationen und Perspektiven

Die Ergebnisse tragen dazu bei, die Selbstorganisation, Hilfeleistungen und Notfallkommunikation in Krisensituationen zu fördern. Dabei sollen insbesondere soziale Medien zur Interaktion und gegenseitigen Unterstützung der Akteure genutzt werden. Die Vernetzung innerhalb der Bevölkerung wird ebenso gestärkt wie die Zusammenarbeit von kleinen und mittleren Unternehmen, um gemeinsam Infrastrukturausfälle und Naturkatastrophen besser zu bewältigen.

Zivilgesellschaftlich und betrieblich

Zivilgesellschaftliche Kontinuität der Bevölkerung

  • Annahme: Die Bevölkerung ist eine ausfallsichere Infrastruktur gewöhnt.
  • Problem: Tausende Telefonanschlüsse um Siegen waren tot, die Internetseiten von Behörden und Rettungsdiensten offline, der lokale Radiosender außer Betrieb. Die Facebook-Seite der Kreisleitstelle wurde auch von der Bevölkerung als Informationsquelle genutzt.
  • Fragestellung: Wie können sich Bürgerinnen und Bürger in Katastrophensituationen z.B. über soziale Medien vernetzen und Hilfe organisieren?
  • Ansatz: Die soziale Vernetzung ermöglicht der zivilen Bevölkerung den verbesserten Umgang mit derartigen Problemlagen.

Betriebliche Kontinuität der Unternehmen

  • Annahme: Unternehmen sind von kontinuierlicher Versorgung mit Elektrizität und Telekommunikation abhängig.
  • Problem: Störungen im Kundenkontakt (77%) und internen betrieblichen Abläufen (40%), Schäden im zweistelligen Millionenbereich (IHK Siegen, 2013).
  • Fragestellung: Wie können sich Unternehmen vernetzen und in Notlagen gegenseitig unterstützen?
  • Ansatz: Kooperation und Vernetzung mit anderen Unternehmen kann entscheidend zur betrieblichen Kontinuität und zur Katastrophen-Resilienz beitragen.